Was wir aus dem Untergang der DDR lernen können

Wie bemißt sich der Wert von komplizierter Arbeit? Der Facharbeiter war in der DDR ein anerkannter Mensch. Er blieb dennoch nur Lohnarbeiter. Im Bild Schneckenschleifer Günter Knöbel 1986 im VEB Zahnschneidemaschinenfabrik MODUL. Foto: H. Lorenz

Woran die DDR wirklich zugrunde ging

Vom Anfang und Ende der Entfremdeten Arbeit

 

Folgt man heutigen „populären Erklärungsmustern“, so soll die DDR an grundsätzlich drei Fehlern zugrunde gegangen sein. Erstens an der fehlenden Demokratie. Zweitens an der zentralistischen Planung der Volkswirtschaft. Und drittens an der „Raubtier-Natur“ des Menschen. Doch alle drei Begründungen bleiben oberflächliche Begründungen. Das hat seinen Grund: Denn die heute Herrschenden wollen die Wahrheit überhaupt nicht wissen. Denn diese würde neue Horizonte für eine zukünftige Welt eröffnen.

         Es war Karl Marx, der herausfand, daß die menschliche Geschichte die Höherentwicklung der Produktivkräfte und den dazu passenden Prodduktionsverhältnissen zur Basis hat. Zusammen bestimmen sie den gesamten politischen Überbau. Sein Satz: „Letztlich löst sich jede Ökonomie in der Ökonomie der Zeit auf“, bildet den Dreh- und Angelpunkt jeglichen ökonomischen Verständnisses von solchen Begriffen wie „Effizienz“, „Arbeitsproduktivität“, „Reichtumsvermehrung“ und wie der ganze bürgerliche Begriffsapparat sich noch so nennt, der aber einfach mit dem proletarischen Begriff „Arbeitshetze“ treffender beschrieben werden kann.

         Doch Karl Marx wäre nicht Karl Marx, wenn er bei dieser beschränkten Sichtweise stehengeblieben wäre. Was Marx mit diesem Satz wirklich meint, ist, daß wir alle darüber nachdenken sollten, wie, auf welche Weise und mit welchem Ziel die Menschheit ihr unvergleichliches Arbeitsvermögen einsetzen will.

        Zeit ist das einzige, was die Menschheit im Überfluß besitzt! Diese Erkenntnis muß man erst mal „sacken“ lassen, denn sie stellt unser heutiges, hektischer Lebensverständnis vollkommen auf den Kopf. Doch es ist wirklich so. Im urgesellschaftlichen Matriarchat wie auch in den wenigen noch heute fernab aller „Zivilisation“ existierenden Matriarchate, besonders in Äquatornähe, spielt Zeit als Antrieb keine Rolle. Sie ist nur Taktgeber von Tag und Nacht.

        Der Grund dafür, daß die „Zeit“ uns ständig im Nacken sitzt, liegt in der Zivilisation selbst. Die Zivilisation hält den Klassenkampf auf Sparflamme, der durch die Teilung der Arbeit in die Welt kam (Der Ackerbauer Kain erschlug seinen Bruder, den Viehzüchter Abel). Staatliche Macht sollte den Streit in der nunmehr geteilten Gesellschaft schlichten. Die Zivilisation bedeutete das festgeschriebene Ende der urgesellschaftlichen Gleichheit, denn sie war zugleich der Anfang aller Klassengesellschaften. Die privaten Eigentumsverhältnisse bestimmten von nun an die gesellschaftlichen Verteilungsverhältnisse. So betrachtet ist die Zivilisation nichts anderes als ein notwendiges Übel zur hemmungslosen Entwicklung der Produktivkräfte.

        Der Kapitalismus ist es schließlich, der am hemmungslosesten die gesellschaftlichen Produktivkräfte entwickelt, ohne Rücksicht auf Mensch und Natur.

       Zeit ist Geld, heißt es im Kapitalismus. Doch Zeit ist nur Zeit und nicht Geld. Zeit kann nur dort als Geld betrachtet werden, wo aus Geld Kapital werden darf. Das Kapital beschert seinem Besitzer unentgeltlich Reichtum, da ihm die Mehrarbeit seiner Lohnarbeiter nichts kostet. Der Kapitalist raubt seinen Lohnarbeitern die Lebenszeit und die Lebenskraft. Des einen Verlust ist des anderen Gewinn. Darauf beruht seit jeher die „Reichtumsproduktion“. Oder anders ausgedrückt: Wo Reichtum herrscht, sind die Massen arm dran.

        Der Marxsche Begriff der Entfremdeten Arbeit bringt das Dilemma aller Ausbeutergesellschaften auf den Punkt: Diejenigen, die arbeiten, erwerben nicht; und diejenigen, die erwerben, arbeiten nicht. Die Mühsal des einen wird so zur Freude des anderen, der gegenseitige Haß der antagonistischen Klassen damit endlos. Die Entfremdete Arbeit stellt somit den Gordischen Knoten dar, in dem alle Widersprüche der bisherigen Klassengesellschaften unlösbar miteinander verwoben sind. Die Zerschlagung des Gordischen Knotens, also die Lösung des Problems der Entfremdeten Arbeit, muß deshalb zur Hauptaufgabe einer zukünftigen klassenlosen Gesellschaft werden. Der freudlose Untergang des gewesenen Sozialismus jedenfalls war die Quittung für die andauernde Ignorierung dieses Problems.

         Was sind die Gründe der Entfremdeten Arbeit und was ihre Folgen? Der Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat veränderte die Eigentumsverhältnisse durch die neue Erbschaftsfolge vollständig, die von der gemeinsamen Sippe auf die leiblichen Kinder des Patriarchen überging. Über kurz oder lang mußten so verschiedene Klassen von Menschen entstehen, die sich in der Hauptsache durch Besitz oder Nichtbesitz an Produktionsmitteln voneinander unterschieden. Die juristische Anerkennung des Privateigentums an Produktionsmitteln durch den inzwischen entstandenen Klassenstaat schrieb die Trennung eines Teils der Produzenten von den Produktionsmitteln fest. Dies ist der Grund für die Entfremdung der Produzenten von ihrer Arbeit und vom Produkt ihrer Arbeit.

        Die Folgen der Entfremdung jedoch sind sehr viel verzweigter. Sie sind auf beiden Seiten der Klassen sowie auf Seiten der Produktion und der Konsumtion zu finden.

        Der patriarchalische Despot, der Sklavenhalter, der Feudalfürst und auch der Kapitalist bestimmen über die Ziele der Produktion. Sie sagen, was produziert wird und wieviel davon produziert wird. Der Bewässerungsbauer, der Sklave, der Leibeigene und der Lohnarbeiter haben zu machen, was ihnen vom Produktionsmittelbesitzer gesagt wird. Widerreden werden bestraft. Die Arbeitenden gehen die Produktionsziele nichts an, sie sind von allen Entscheidungen darüber vollständig ausgeschlossen. Da sie ausgeschlossen sind, machen sie sich darüber auch weiter keine Gedanken. Ihnen wird es egal, was sie produzieren und wie sie produzieren. Diese Entfremdung von ihren Arbeitsbedingungen wird immer stärker mit der Fortentwicklung der Ausbeutergesellschaften. Im Kapitalismus erreicht sie ihren Höhepunkt. Der Lohnarbeiter will nicht wissen, was er produziert und für wen er produziert. Ihn interessiert nur, wann die Arbeit beginnt, wann sie endet, wie hoch der Lohn ist, auf welche Verfehlungen es Lohnabzüge gibt und weitere ihn persönlich betreffende Bedingungen wie Arbeitsweg, Art der Arbeit, Vergünstigungen, Urlaubstage etc. pp.

        Die Entfremdung des Arbeiters ist aber eine doppelte. Ihm ist nicht nur seine Arbeit fremd und das Produkt seiner Arbeit, ihm sind auch die Produkte anderer Produzenten fremd. Ihn kümmert es nicht, wer die Lebensmittel hergestellt hat, die er täglich verzehrt. Ihn interessiert auch nicht, wie diese Lebensmittel hergestellt wurden. Ihn interessiert nur, kann er sich diese Lebensmittel für seine Lohnsumme leisten oder nicht. Wenn er dennoch über all das nachdenkt, denkt er nicht als Lohnarbeiter darüber nach, sondern als Mensch. Damit hat er sich quasi schon über seinen Lohnarbeiterstatus erhoben, in den er durch das Kapitalverhältnis erniedrigt wird.

         Die Entfremdung schlägt aber genauso auf der Seite der Kapitalisten zu. Einen Kapitalisten interessiert es noch weniger als den Lohnarbeiter, was er produziert, oder besser gesagt, produzieren läßt. Ihn interessiert nur, ob er seine Waren mit Profit losschlagen kann und wie hoch der Profit ausfallen wird. Das Schlimme darin ist, daß der Kapitalist als der große Lenker der Produktion erscheint, als der Vorausahner zukünftiger Bedürfnisse stets bedürftiger Menschen, als der Wohltäter an der Welt, er in Wirklichkeit aber die größte Destruktivkraft ist (Konkurrenzkampf, „Freihandel“, „freier“ Kapitaltransfer, „freier Arbeitskräftetransfer“).

         Was hat das alles mit der DDR und ihrem Untergang zu tun? Ganz einfach. In der DDR wie in allen sozialistischen Ländern wurde das Kapital verstaatlicht, die Produktion also staatlich gelenkt und verwaltet mit dem Ziel eines Nutzens für die Gesamtgesellschaft. Es war der Staat, der das Gesamtziel nach einer mehr oder weniger konkreten Absprache mit der Bevölkerung festlegte. Die individuellen Bedürfnisse spiegelten sich hingegen im Volkswirtschaftsplan nicht wider. Das konnten sie auch gar nicht, weil individuelle Bedürfnisse sehr verschieden sind, besonders in einer hoch entwickelten Gesellschaft. Es ist unmöglich, zentral beim Staat zu bestimmen, wie z.B. ein Sommerkleid auszusehen hat, in welchen Größen und Stückzahlen es produziert werden soll, wie es im Lande verteilt wird usw. usf.

         Doch das Grundproblem im Sozialismus war das Fortbestehen der Lohnarbeit selbst. Wir erinnern uns: „Die Lohnarbeit produziert das Kapital, und das Kapital produziert die Lohnarbeit“. Das Fortbestehen der Lohnarbeit reproduzierte also immer wieder das Kapitalverhältnis und damit die Entfremdung von der eigenen Arbeit – die Gleichgültigkeit, ja den Haß auf die Arbeit und den Betrieb. Die Lohnarbeit stand also im Widerspruch zum sozialistischen Aufbau. Sie kollidierte immer wieder damit. Der sozialistische Lohnarbeiter dachte im Prinzip wie der kapitalistische Lohnarbeiter. Was ja auch gar nicht anders sein konnte. Denn Lohnarbeit bleibt Lohnarbeit. Was läßt sich für die Zukunft daraus lernen?



Keiner konnte so schnell und präzise Keilwellenprofile auf Passung schleifen wie Werner (X) im Fertigungsbereich 3 der Zahnschneidemaschinenfabrik MODUL. Werner schaffte jeden Monat eine 170-prozentige Normerfüllung. Andere erreichten kaum 60 Prozent. Foto. H. Lorenz

Das gesellschaftliche Arbeitsvermögen wächst mit der Anzahl der arbeitenden Menschen und es wächst noch mehr mit der Produktivität der Arbeit. Die Menschheit im Sozialismus hat disponible Zeit im Überfluß. Wie sie diese Zeit verwendet, ist die alleinige Entscheidung der Menschheit selbst, niemand redet ihr da hinein. Die Menschheit muß sich nur als eine Einheit verstehen und sich endlich darüber klar werden, wie und wofür sie diese Zeit verwenden will, ob für eine Massenproduktion und die Vermüllung der Erde und der Meere, oder ob sie dieses Arbeitsvermögen so disponiert, daß die Menschheit menschlicher und somit klüger und die Erde samt der Meere wieder sauberer wird.

        Wie aber disponiert man die viele Zeit so, daß die nachfolgenden Generationen eine saubere und vielfältige Welt vorfinden? Ganz einfach: Indem die Menschheit wieder mehr lebt und immer weniger lohnarbeitet.

        Aber wie lebt man mehr, wie lebt man besser? Das geht nur, indem die Lohnarbeit und mit ihr das Kapitalverhältnis endlich aufgehoben wird.

        Dazu müssen sich die Produzenten wieder die Ergebnisse ihrer Arbeit aneignen können. Sie müssen demnach selbst bestimmen, was sie produzieren, wie sie es produzieren, in welchen Mengen und Qualitäten sie produzieren und nicht zuletzt, wie die produzierten Dinge wieder zurück in den Produktionskreislauf gelangen können, um die Abfallberge auf dieser Welt endlich zu beseitigen. Das aber geht nur in einem Kreislaufsprozeß und Entscheidungen vor Ort, durch kollektive Absprachen in den Städten und Gemeinden und zwischen den Städten und Gemeinden.

        Die gemeinschaftliche Arbeit ist der Lebensprozeß der Menschheit. Es geht also im Sozialismus nicht wie im Kapitalismus um eine Verkürzung der Arbeitszeit und eine Verlängerung der Freizeit (Gewerkschaft), sondern um eine stufenweise Verkürzung der Lohnarbeit und als Ausgleich eine selbstbestimmte gesellschaftliche Arbeit in der eigenen Stadt oder Gemeinde.

        Wenn Arbeit keine Ausbeutung mehr ist, sondern erstes Lebensbedürfnis, dann spielt die Zeit der geleisteten Arbeit keine Rolle mehr. Arbeitszeit ist dann Lebenszeit und diese steht für die gesamte Menschheit unbegrenzt zur freien Verfügung. Hier findet also ein Umschlag von einer Qualität der Arbeit in eine neue Qualität statt. Von nun an muß die Arbeit nicht mehr wie im Kapitalismus beständig reduziert und durch Maschinen ersetzt werden. Jetzt kann wieder mehr Arbeit verausgabt werden, dafür aber mehr Eisen, Stahl, Kohle, Erdöl, Verkehr oder Lagerhaltung eingespart werden. In der ausbeutungsfreien Gesellschaft arbeiten wieder alle Menschen, auch die Arbeitslosen und die einstigen Kapitalisten. Dadurch wird mehr Arbeit verrichtet. Wenn diese dann noch ständig neu verteilt wird, wird sie für alle abwechslungsreicher und so auch schwere Arbeit leichter erträglich. Nichts macht mehr Spaß im Leben als gemeinsam zu arbeiten an einem gemeinsamen Projekt für eine gemeinsame Aneignung der Ergebnisse dieser Arbeit. Selbst die beschissenste Arbeit wie das Reinigen von Kloschüsseln oder Pißbecken macht Spaß, wenn sie gemeinsam erledigt wird und nicht tagtäglich erledigt werden muß, wie das beim Beruf einer Klofrau heutzutage der Fall ist. Nicht die immer weiter wachsende Spezialisierung von Arbeit ist die Zukunft, sondern die abwechslungsreiche Kombination von verschiedenen Arbeiten unter immer wechselnden Arbeitsgruppen. Wie dies dann konkret zu regeln ist, wird einstimmig wie im Matriarchat in den Arbeitsgruppen und zwischen den Gruppen innerhalb einer lokalen Gemeinschaft festgelegt.

        Diese neue Art der kombinierten gesellschaftlichen Arbeit schafft völlig neue Möglichkeiten des Lebensgenusses. Nach einhundert Jahren industrieller Landwirtschaft wird es unendlich viel Mühe kosten, die Böden wieder fruchtbar zu machen. Dieses Fruchtbarmachen geht nur ganz schlecht mit maschineller Arbeit. In die Böden müssen Bestandteile eingebracht werden, die Wasser und Nährstoffe speichern. Ein Verfestigen der Böden durch schwere Maschinen muß vermieden werden. Kurz, hier ist Handarbeit vonnöten. Damit diese Arbeit Spaß macht, muß sie von vielen Menschen gleichzeitig getan werden. Man spornt sich gegenseitig an, man erzählt sich Witze und andere „wahrhafte Begebenheiten“, man macht gemeinsam Frühstück und schaut sich dabei den Partner für die Nacht aus, kurz, man lebt seine Arbeit, weil die Arbeit pralles Leben ist. So vergeht der Tag in sinnvoller Eintracht. Und am Ende wird ein großes Fest gefeiert. Nicht einen Tag, nicht zwei Tage, nicht drei Tage, sondern gleich eine ganze Woche lang. Leben ist Arbeiten und der Genuß an der Arbeit ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Die Wiederaneignung der Arbeit als erstes Lebensbedürfnis muß kein jahrhundertelanger Prozeß sein. Vielleicht finden die Nachgeborenen daran schneller Gefallen, als wir uns das heute vorstellen können.

       Was die heutige große Industrie betrifft, wird diese selbst unter kapitalistischen Bedingungen weiter schrumpfen, weil die neuen Technologien weniger Materialeinsatz erfordern und die Industrie insgesamt in Richtung Miniaturisierung verläuft. Die neue sozialistische Gesellschaft dagegen wird die große globalisierte Industrie abschaffen und durch eine selbstbestimmte regionale Produktion entsprechend der Größe der Verwaltungseinheiten (Großstadt oder Kleinstadt) sowie den geographischen und klimatischen Besonderheiten ersetzen.

       Ein neues, sozialistische Motto müßte lauten: „Globalisierung allen Wissens, Regionalisierung aller Arbeit.“ Dies ist zu erreichen durch eine permanente Reduzierung der Lohnarbeit bei gleichzeitiger Erweiterung der gesellschaftlichen Arbeit in den Städten und Gemeinden. Ob das ohne Klassenkampf von unten jedoch zu erreichen ist, hängt von der Reaktion der Kapitalseite ab.

Holger Lorenz am 28. März 2020

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Tägliche Absprache der einzelnen Meisterbereiche der Mechanischen Fertigung bei Bereichsleiter Kurt Barthold im VEB MODUL. Das Karl-Marx-Städter Unternehmen war neben Gleason aus den USA Weltmarktführer auf dem Gebiet der Verzahnungstechnik: Spezialgebiet waren Werkzeugmaschinen für hartverzahnte Kegelräder mit Kurvex-Verzahnung neben Schneckenrad- und Stirnradverzahnungen mit bis zu 10 Metern Durchmesser. Foto: Holger Lorenz

(English)

What we can learn from the fall of the GDR

What the GDR really perished

From the beginning and end of the alienated work


If one follows today's "popular explanatory patterns", the GDR is said to have perished from three basic errors. First, the lack of democracy. Secondly, the centralized planning of the economy. And thirdly, the “predator nature” of humans. But all three reasons remain superficial. There is a reason for this: Because those in power today do not want to know the truth at all. Because this would open new horizons for a future world.

It was Karl Marx who found out that human history is based on the higher development of the productive forces and the corresponding production conditions. Together they determine the entire political superstructure. His sentence: "Ultimately, every economy dissolves into the economy of time", forms the linchpin of any economic understanding of terms such as "efficiency", "labor productivity", "wealth increase" and how the whole bourgeois conceptual apparatus is still so calls, but which can simply be more accurately described with the proletarian term "work agitation".

But Karl Marx would not be Karl Marx if he had stopped with this limited view. What Marx really means by this sentence is that we should all think about how, in what way and for what purpose mankind wants to use its incomparable work ability.

Time is the only thing that humanity has in abundance! You have to let this knowledge sink first, because it completely turns our current, hectic understanding of life upside down. But it really is. In the primitive matriarchy as well as in the few matriarchies that still exist far from all "civilization" today, especially near the equator, time does not matter as a drive. It is only the clock for day and night.

The reason that "time" is always on our backs lies in civilization itself. Civilization keeps the class struggle on the back burner, which came into the world through the division of labor (the farmer Cain killed his brother, the rancher Abel ). State power should settle the dispute in the now divided society. Civilization meant the end of primeval social equality, because it was also the beginning of all class societies. From now on, the private property relationships determined the social distribution relationships. From this point of view, civilization is nothing more than a necessary evil for the uninhibited development of the productive forces.

After all, capitalism is the most uninhibitedly developing social productive forces, regardless of people and nature.

Time is money, capitalism says. But time is only time and not money. Time can only be viewed as money where money can become capital. The capital brings wealth to its owner free of charge, since the extra work of its wage workers does not cost him anything. The capitalist robs his wage laborers of their lifetime and vitality. One loss is another's gain. The “wealth production” has always been based on this. In other words: where there is wealth, the masses are poor.

Marx's concept of alienated work sums up the dilemma of all exploiting societies: those who work do not earn; and those who purchase do not work. The hardship of one becomes joy for the other, the mutual hatred of the antagonistic classes is endless. The alienated work thus represents the Gordian knot, in which all contradictions of the previous class societies are inextricably interwoven. The breaking of the Gordian knot, that is, the solution to the problem of alienated work, must therefore become the main task of a future classless society. The joyless demise of socialism was, in any case, the receipt for the continued ignoring of this problem.

What are the reasons for alienated work and what are its consequences? The transition from matriarchy to patriarchy completely changed ownership through the new succession, which passed from the common clan to the biological children of the patriarch. Sooner or later, different classes of people had to emerge, the main difference being the possession or non-possession of means of production. The legal recognition of private ownership of means of production by the class state that had meanwhile established the separation of some of the producers from the means of production. This is the reason why producers are alienated from their work and from the product of their work.

However, the consequences of alienation are much more complex. They can be found on both sides of the classes as well as on the side of production and consumption.

The patriarchal despot, the slave owner, the feudal prince and also the capitalist determine the goals of production. They say what is produced and how much of it is produced. The irrigation builder, the slave, the serf and the subcontractor have to do what the owner of the means of production tells them to do. Any speeches will be punished. The workers do not concern the production goals, they are completely excluded from all decisions about them. Since they are excluded, they don't worry about it. They don't care what they produce and how they produce. This estrangement from their working conditions becomes ever stronger with the further development of the sweatshops. It reaches its peak in capitalism. The wage worker does not want to know what he produces and for whom he produces. He is only interested in when the work begins, when it ends, how high the wages are, what misconduct is deducted from wages and other conditions that affect him personally, such as the way to work, type of work, benefits, vacation days etc. pp.
The alienation of the worker is twofold. Not only is his work alien to him and the product of his work, he is also alien to the products of other producers. He doesn't care who made the food he consumes every day. He is also not interested in how these foods were made. He is only interested in whether he can afford these groceries for his wages or not. If he thinks about all of this, he doesn't think about it as a wage worker, but as a person. This means that he has already risen above his wage worker status, in which he is lowered by the capital ratio.

Alienation strikes on the capitalist side as well. A capitalist is even less interested than the wage laborer, what he produces, or rather let him produce. He is only interested in whether he can profit from his goods and how high the profit will be. The bad thing is that the capitalist appears to be the great driver of production, the forerunner of future needs of people who are always in need, the benefactor of the world, but in reality he is the greatest destructive force (competition, "free trade", "free" Capital transfer, "free labor transfer").

What does all this have to do with the GDR and its downfall? Very easily. In the GDR, as in all socialist countries, capital was nationalized, so production was controlled and administered by the state with the aim of benefiting society as a whole. It was the state that set the overall goal after more or less concrete consultation with the population. The individual needs, however, were not reflected in the economic plan. They couldn't at all because individual needs are very different, especially in a highly developed society. It is impossible to determine centrally with the state, such as a summer dress has to look in what sizes and quantities it should be produced, how it is distributed in the country etc. etc.

But the basic problem in socialism was the persistence of wage labor itself. We remember: "Wage labor produces capital, and capital produces wage labor". The persistence of wage labor repeatedly reproduced the capital ratio and thus the estrangement from one's own work - the indifference, indeed the hatred of work and business. So wage labor contradicted socialist construction. It kept colliding with it. The socialist wage worker basically thought like the capitalist wage worker. Which couldn't have been any other way. Because wage labor remains wage labor. What can we learn from this in the future?

Social work capacity increases with the number of people working and it increases even more with the productivity of work. Humanity in socialism has disposable time in abundance. How she uses this time is the sole decision of humanity itself, no one is talking into it. Humanity only has to understand itself as a unit and finally understand how and what it will use this time for, whether for mass production and the pollution of the earth and the sea, or whether it disposes of this work capacity so that humanity is more human and thus smarter and the earth and the oceans become cleaner again.

But how do you plan the time so that future generations will find a clean and diverse world? Quite simply: by humanity living more and working less and less.
But how do you live more, how do you live better? This can only be done by finally abolishing wage labor and with it the capital ratio.

To do this, the producers must be able to reapply the results of their work. You therefore have to determine yourself what you produce, how you produce it, in what quantities and qualities you produce and, last but not least, how the things produced can get back into the production cycle in order to finally eliminate the mountains of waste in this world. But this is only possible in a circular process and decisions on the spot, through collective agreements in the cities and municipalities and between the cities and municipalities.
Community work is the life process of humanity. So socialism, like capitalism, is not about shortening working hours and extending leisure time (union), but rather gradually reducing wage labor and compensating for self-determined social work in one's own city or community.

If work is no longer an exploitation but a first need for life, then the time of the work done no longer matters. Working time is then life time and this is freely available for all of humanity. So there is a change from a quality of work to a new quality. From now on, as in capitalism, labor no longer has to be constantly reduced and replaced by machines. Now more work can be spent, but more iron, steel, coal, oil, traffic or warehousing can be saved. All people work again in the exploitation-free society, including the unemployed and the former capitalists. This does more work. If this is then constantly redistributed, it will be easier to bear for everyone who is more diverse and thus also difficult. Nothing is more fun in life than working together on a common project for a shared appropriation of the results of that work. Even the crappiest work, like cleaning toilet bowls or piss bowls, is fun if it is done together and does not have to be done on a daily basis, as is the case today with the job of a toilet woman. The future is not the constantly growing specialization of work, but the varied combination of different work among constantly changing work groups. How this is to be regulated specifically is determined unanimously, as in the matriarchy, in the working groups and between the groups within a local community.

This new type of combined social work creates completely new ways of enjoying life. After a hundred years of industrial agriculture, it will take an infinite amount of effort to make the soil fertile again. This fertility is very difficult with machine work. Components that store water and nutrients must be introduced into the soil. Solidification of the floors by heavy machinery must be avoided. In short, manual work is required here. In order for this work to be fun, many people have to do it at the same time. You spur each other on, you tell jokes and other "real events", you make breakfast together and look at your partner for the night, in short, you live your work because the work is full of life. So the day passes in meaningful harmony. And in the end a big party is celebrated. Not a day, not two days, not three days, but for a whole week. Life is work and enjoyment at work is a basic human need. The reappropriation of work as the first need for life does not have to be a centuries-long process. Maybe the newborn will like it faster than we can imagine today.

As for today's large industry, it will continue to shrink even under capitalist conditions because the new technologies require less material and the industry as a whole is moving towards miniaturization. The new socialist society, on the other hand, will abolish the large, globalized industry and replace it with self-determined regional production according to the size of the administrative units (large or small town) and the geographical and climatic peculiarities.

A new, socialist motto should be: "Globalization of all knowledge, regionalization of all work." This can be achieved by permanently reducing wage labor while expanding social work in cities and municipalities. However, whether this can be achieved without a class struggle from below depends on the reaction of the capital side.

Holger Lorenz 28-3-2020

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Auszug aus dem Buch:

Das moderne Matriarchat als anstehende Selbstorganisationsform der Menschheit