Buchrezension

NEUES DEUTSCHLAND vom 18. Juli 2018

oder auf Internet-Seite: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1095526.selbstorganisation.html

 

aus "ANGEMERKT" Nr.10 / Meinungen zur Zeitgeschichte

 

Wieder bei Marx

In einer Zeit des zunehmenden kapitalistischen Chaoses ist gerade ein Buch erschienen, das wieder Ordnung in die Welt der Theorie bringt, und das durch die Anwendung der historisch-ökonomischen Kategorien von Karl Marx, die da sind: Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse und daraus abgeleitet, Herrschaft und Unterdrückung, Klassenkampf von oben wie von unten.

 

Interview mit dem Buchautor Holger Lorenz

Frage: Worin besteht die Stärke Ihres Buches?

Lorenz: Dieses Buch ist wieder ganz bei Marx und den dialektischen Weltzusammenhängen.

 

Frage: Können Sie kurz ein praktisches Beispiel nennen, an dem sich die besondere marxistische Sichtweise des Buches festmacht?

Lorenz: Wenn die Linke in Deutschland auf der einen Seite die Globalisierung für die Verheerungen in der Arbeitswelt verantwortlich macht, auf der anderen Seite aber dieselbe Globalisierung als Mittel zur Völkerverständigung preist, dann fällt hier ein Gegensatz auseinander, der das Bewusstsein sowohl der Linken als auch der Bevölkerung spaltet. Es geht im Marxschen Sinne aber darum, aus diesem Gegensatz einen zur Lösung drängenden dialektischen Widerspruch zu machen. Die Lösung dieses Widerspruchs ist nicht ein Sowohl als Auch, das den Widerspruch sozialdemokratisch in Worten bestätigt und in den Taten ignoriert, sondern um den nach vorn weisenden Kampf dieses Gegensatzpaares für die Lohnarbeiter auf der ganzen Welt. Heraus kommt die sozialistische Parole: „Globalisierung allen Wissens, Regionalisierung aller Arbeit“! Das bedeutet praktisch, Abschaffung aller Patente und Selbstorganisation der regionalen Produzenten, also Entmachtung der internationalen Konzerne. Und das geht nur durch internationalen Klassenkampf von unten.

 

Frage: Welche Schlussfolgerungen zieht das Buch?

Lorenz: Es gilt zu begreifen, dass mit dem Ende des Kapitalismus zugleich auch das Ende aller anderen Ausbeutergesellschaften mit eingeläutet wird, was einen viel größeren Umbruch darstellt, als die Übergänge von der orientalischen Despotie zur Sklaverei, von der Sklaverei zum Feudalismus und von da zum Kapitalismus. Denn das waren alles nur Übergänge von einer Ausbeutungsform in die andere höhere Ausbeutungsform. Das Ende des Kapitalismus dagegen bedeutet demnach auch das Ende des Patriarchats, jener allgemeinen Ausbeutungsform, die in der patriarchalischen Großfamilie entstanden ist und seit Anbeginn der Klassengesellschaften über die Despotie, Sklaverei bis hin zum Kapitalismus gestülpt war und diese ideologisch wie strukturell beherrscht hat. Der dialektische Übergang vom Patriarchat zum modernen Matriarchat vollzieht sich gerade vor unseren Augen in der proletarischen Kleinstfamilie, wo die alleinerziehende Mutter zum Dreh- und Angelpunkt dieser kleinsten Zelle der Gesellschaft geworden ist. Es geht also neben dem Klassenkampf der internationalen Lohnarbeiter gegen die Macht der Konzerne zugleich auch um die Befreiung der Frauen aus der Sklaverei des sie mit allen Problemen alleine lassenden Familienlebens. Das zusammen nenne ich mütterliche Vernunft, eine Vernunft, die in der Natur bereits angelegt ist und in der kommunistischen Urgesellschaft zum Wohle aller bereits einmal geherrscht hat. Wir Menschen müssen endlich unsere eigene menschliche Natur begreifen.

 

 

Bibliographische Angaben:

Holger Lorenz: „Die kommende Welt der mütterlichen Vernunft. Kommunistisches Manifest für das 21. Jahrhundert.“ 384 Seiten, 20,00 Euro, ISBN: 978-3-946568-00-1, Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg;

(auch als e-book-Ausgabe: Preis: 12,00 Euro, ISBN: 978-3-946568-01-8)